(12.10.2015)

Nach Feststellungen des OLG Nürnberg kommt es bei einer Erwachsenenadoption entscheidend auf die Herstellung eines sozialen Familienbandes an, das seinem Inhalt nach dem durch die natürliche Abstammung geschaffenen Band ähnelt und unter Erwachsenen wesentlich durch eine auf Dauer angelegte Bereitschaft zu gegenseitigem Beistand geprägt ist, den sich leibliche Eltern und Kinder typischerweise gegenseitig leisten. Maßgebend ist eine dauernde innere seelisch-geistige Verbundenheit, wie sie zwischen Eltern und Kind auch nach dessen Volljährigkeit prägend bleiben.

In dem Umstand, dass der Annehmende als tragende Erwägung für die Adoption anführt, jemanden im Alter haben zu wollen, der für ihn sorge, liegt kein sittlich-missbilligenswerter Zweck, zumal die mit der Annahme als Kind bezweckte Etablierung der Eltern-Kind-Beziehung gerade auch gegenseitigen Beistand und Unterstützung nicht nur in Notfällen beinhaltet.

Nebenzwecke, wie die Erwägung des Annehmenden, die Anzunehmende als Erbin und als Bezugsberechtigte seiner Lebensversicherung einzusetzen, sind unschädlich, solange der familienbezogene Zweck überwiegt.

 

OLG Nürnberg, Beschluss v. 12.06.2015 (AZ 10 UF 272/15)


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