Aktuelles zum Thema Medizinrecht

Urteil des OLG Köln vom 21.03.2016, AZ 5 U 76/14

(11.04.2016)

Das Oberlandesgericht Köln hat mit Entscheidung vom 21.03.2016, AZ: 5 U 76/14, einer Krebspatientin ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000,00 EUR zugesprochen, da ihr vor einer Chemotherapie nicht ausreichend mitgeteilt wurde, dass das bei ihr eingesetzt Medikament in seltenen Fällen zu einem dauerhaften Haarausfall am ganzen Körper führen kann.

Betreuungsunterhalt bei überobligatorischer ErwerbstätigkeitBei der Klägerin verwirklichte sich das Risiko. Infolge der Chemotherapie verlor sie dauerhaft ihre Körperbehaarung, Wimpern und Augenbrauen. Das Kopfhaar wächst mittlerweile wieder teilweise nach.

Das OLG stellte fest, dass die Ärzte die Klägerin nur unzureichend über die Risiken des Krebsmedikamentes aufgeklärt haben.

Mit dem Einwand, dass sich die Patientin auch bei vollständiger Aufklärung für die Chemotherapie entschieden hätte, drangen die Beklagten nicht durch.

Das OLG kam zu dem Ergebnis, dass sich die Klägerin wohl ein einem „echten“ Entscheidungskonflikt befunden hätte und nicht sicher davon auszugehen sei, dass sie sich für die Behandlung entschieden hätte.

Bei der Höhe des Schmerzensgeldes wurde durch das Gericht in erster Linie auch die psychischen und seelischen Folgen des Haarverlustes berücksichtigt.

 

 

 

(28.01.2016)

Sollte Ihr Antrag auf Einstufung in eine Pflegestufe zu Unrecht abgelehnt worden sein, sollten Sie hiergegen Widerspruch einlegen! Binnen 4 Wochen nach Zustellung der Ablehnung muss der Widerspruch eingelegt sein! Der Widerspruch muss schriftlich, direkt bei der für den Pflegebedürftigen zuständigen Pflegekasse erfolgen.

Wie das Oberlandesgericht Oldenburg mit Entscheidung vom 28.10.2015 Aktenzeichen 5 U 156/13 entschied, hat ein Krankenhaus einem Kind wegen einer zu spät erkannten Hirnhautentzündung Schadensersatz zu leisten.

Betreuungsunterhalt bei überobligatorischer ErwerbstätigkeitIn dem Rechtsstreit ging es um die Behandlung eines 5 Jahre alten Kindes, welches nachmittags mit Schüttelfrost und hohem Fieber in das Krankenhaus eingeliefert wurde und dort stationär aufgenommen wurde.

Die Ärzte leiteten eine Infusionstherapie ein.

Der Zustand des Kindes besserte sich nicht und das Kind erbrach mehrfach. Gegen 4 Uhr nachts löste sich dabei die Infusionsnadel. Zudem zeigten sich in der Nacht Hautverfärbungen. Einen Handlungsbedarf sah der herbeiberufene Pfleger jedoch nicht. Gegen 7 Uhr morgens informierte eine Krankenschwester den Arzt darüber, dass sich am Körper des Kindes ungewöhnliche Hautverfärbungen zeigten. Die Ärzte vermuteten das Vorliegen einer Hirnhautentzündung und begannen sofort mit der Notfallversorgung.

Die Laboruntersuchungen bestätigten den Verdacht.

Das Oberlandesgericht Oldenburg entschied, dass der Pfleger den Zustand des 5-Jährigen zwar erkannt hätte, grob fehlerhaft hier jedoch keinen Arzt hinzugezogen hätte. Es hätte umgehend eine Notfalltherapie eingeleitet werden müssen. Hierdurch wäre in jedem Fall ein besseres Ergebnis erzielt worden.

Das Oberlandesgericht Oldenburg bestätigte demnach den Anspruch auf Schmerzensgeld- und Schadensersatzanspruch dem Grunde nach. Über die Höhe der Ansprüche hat nunmehr das Landgericht Aurich zu befinden.

 

 

(10.12.2015)

Das Oberlandesgericht Hamm hat mit Urteil vom 27.10.2015 AZ: 26 U 63/15 entschieden, dass einem Witwer wegen des Tods seiner Ehefrau ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000,00 € zusteht, da die behandelnden Hautärzte eine Hautkrebserkrankung grob fahrlässig nicht erkannt haben.

Urteil des OLG Hamm vom 27.01.2014, AZ 17 U 35/13In dem Fall war eine 55-jährige Frau wegen der Verfärbung eines Zehnagels in dermatologischer Behandlung. Sie berichtete dabei von einer Stoßverletzung. Der behandelnde Hausarzt vermutete ein Nagelhämatom und forderte eine Nagelprobe zur histologischen Untersuchung an. Hierbei ergab sich eine bakterielle Infektion, worüber die Frau telefonisch informiert wurde. Eine weitere Behandlung durch die Dermatologen unterblieb.

In den Folgejahren ging die Verfärbung nicht weg, so dass die Frau einen zweiten Hautarzt aufsuchte. Dieser diagnostizierte bei der Frau Krebs, wobei sich in der Folge Metastasen in Lunge und Lymphknoten entwickelten. Vier Jahre nach dem ersten Besuch bei dem beklagten Hautarzt verstarb die Patientin.

Das Gericht warf dem beklagten Hautarzt vor, er hätte die Nagelprobe selbst entnehmen müssen, da nur er aufgrund seiner hautärztlichen Kenntnisse, das für die Probe relevante Gebiet sicher bestimmen konnte. Ferner wäre er verpflichtet gewesen, die Patientin wieder einzubestellen, da er sich nicht darauf verlassen konnte, dass ihr die Notwendigkeit einer weiteren Behandlung bekannt war. Das Gericht bewertet das Fehlverhalten als einen schweren Behandlungsfehler, bei dem eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln verstoßen worden ist.

 

 

Wie das OLG Hamm mit Urteil vom 17.08.2015 Aktenzeichen: 3U 28/15 entschieden hat, begründet ein Hygienemangel keine Haftung des Krankenhauses, wenn der Patient nicht nachweisen kann, dass ihm durch den Hygienemangel ein Gesundheitsschaden entstanden ist.

Das Gericht entschied, dass es einen Hygienemangel darstellt, wenn ein Krankenhauspfleger bei der Eröffnung einer Abszedierung Handschuhe trägt, mit denen er zuvor die Türklinke des Krankenzimmers berührt hat. Um einen groben Behandlungsfehler, der zur Umkehr der Beweislast führt, handelt es sich aber hierbei nicht. So entschied das OLG Hamm in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil. Den Anspruch auf 25.000,00 € Schmerzensgeld wies das OLG zurück, weil die Klägerin nicht nachweisen konnte, dass die nach dem Klinikaufenthalt festgestellte Spondylodiszitis auf den Hygienemangel zurückzuführen war.


Wünschen Sie eine unverbindliche Einschätzung?

Nehmen Sie jetzt unkompliziert und schnell Kontakt mit uns über unser Kontaktformular auf!

» Zum Kontaktformular


Julia Fellmer
Rechtsanwältin
Fachanwältin für Medizinrecht

Telefon 0211 / 864630 - Telefax 0211 / 320840
j.fellmer@tondorfboehm.de

Sekretariat: Frau Tyrrell i.tyrrell@tondorfboehm.de
Ritterstraße 9 - 40213 Düsseldorf

 

 

Aktuelle Fachartikel Medizinrecht

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.